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Der Erlkönig – der Meister der Tarnung

Irrglaube: Ein Erlkönig ist nicht nur das weiß verpackte Auto. Sie fahren perfekt getarnt unter uns. Hier erfährst Du alle spannenden Sachen zum Thema Erlkönig.

erlkoenig

Es scheint, als sei der Erlkönig an seinem weißen Gewand zu enttarnen, doch so einfach ist das nicht. Hersteller müssen schließlich ihre neuen Modelle ausgiebig im Straßenverkehr testen. Ohne dafür tatsächlich am laufenden Verkehr teilzunehmen, fallen nämlich viele Fehler gar nicht auf.
Auf einer Teststrecke etwa lässt sich zwar der Stau simulieren, doch die schlimmsten und unglaublichsten Geschichten schreibt doch noch immer das wahre Leben. Es ist für die Fahrzeugentwicklung zwingend notwendig, ihre Prototypen im Alltag zu testen.
Wir bekommen alle meistens gar nicht mit, dass wir gerade an einem Erlkönig vorbeigefahren sind. Außer, wir sehen genauer hin.
Dabei geht es weniger um Muster als darum, dass Du dieses Modell auf die Schnelle keinem Hersteller wirst zuordnen können.

Know-How ist das Wertvollste, was Firmen besitzen. Entsprechend verständlich ist es, mit welchem Einsatz sie es in der Öffentlichkeit schützen. Für die Unternehmen würde eine Kopie wahnsinnige Verluste bedeuten.

Namensgebung und Hintergrundinformationen

Johann Wolfang von Goethe – er ist der Namensgeber für den Erlkönig. Natürlich dachte er nicht an ein neues Auto, als er seine Erlkönig Ballade schrieb. Doch er fragte seinen Vater, ob er ihn nicht sehen könne, den Erlkönig. Wie passend also, dass auch die geheimen Automodelle als Erlkönig benannt werden.

Testen vs. Verstecken

Wissenswert: Es stehen sich bei der Planung von einem Erlkönig zwei Interessen gegenüber. Der Hersteller will mit allen Mitteln sein Design und sein technisches Know-How schützen. Die Entwickler aber interessieren sich dafür, wie sich das Auto wirklich fährt und verhält.
Entsprechend kompromislastig ist dann auch das Ergebnis. Einige Hersteller könnten also besser Versteckspielen, verzichten aber zugunsten von zuverlässigeren Daten darauf.

Oft werden nämlich auch Lüftungsschlitze abgeklebt, weil sie mit zum Design gehören und das führt zu ganz verfälschten Testergebnissen beim Erlkönig.

Typische Merkmale für einen Erlkönig

Um noch einmal auf die weiße Abdeckung zu kommen: Natürlich kann sich unter ihr ein Erlkönig befinden. Es kann aber auch sein, dass einfach bloß ein Neuwagen darunter zum Vorschein kommt. Sicher sind Merkmale wie das Tarnmuster und ein fehlendes Herstelleremblem. Nicht zu verwechseln mit einem gecleanten Look. Was wir meinen ist die Tatsache, dass Du an keinem Bauteil, nicht einmal an den Felgen, sagen kannst, welche Marke sich dahinter verbirgt.

Typisch für einen Erlkönig sind angeschraubte Aufsätze, so genannte Hartschalen. Sie verändern das Design ins Unkenntliche. Zusammen mit dem Muster ist die Tarnung dann perfekt.
Von den Hartschalen siehst Du nämlich gar nichts.

Hinweis: Neuerdings werden die eigentlichen Dazzle-Muster immer mehr zum Trend. Nicht jeder Wagen ist also ein Erlkönig, der mit einem verwirrenden weißen oder schwarzen Muster umherfährt.

Das Tarnmuster

Weiße Muster auf schwarzem Untergrund: Das ist die häufigste Variante für die Top Secret Automodelle. Hersteller wählen ihre Tarnmuster nicht nach Gusto. Dahinter steckt knallharte Wissenschaft. Eine Dame hat sich bei BMW sogar im Rahmen ihrer Dissertation mit dem passenden Muster für das Versteckspiel im Straßenverkehr beschäftigt.
Interessanterweise ist das Muster allerdings nicht gänzlich neu. Es hat seinen Ursprung in dem Dazzle-Muster der Marine.

Herkunft des Musters

Im letzten Jahr des ersten Weltkriegs, 1918, ließen die Briten ihre Kriegsschiffe mit dem Dazzle-Muster tarnen. Ziel war es, den Feind stark optisch zu verwirren. Geklappt hat das mit einer Abfolge von weißen und schwarzen Vierecken.

Hier entsteht die Tarnung

Heute wird natürlich nicht mehr der Feind getäuscht – in gewissem Maße schon, denn Design und Technik sollen sicher vor Diebstahl und Kopie bleiben. Auf Fotos soll auf keinen Fall zu erkennen sein, wie das neue Modell aussehen könnte. Gerade in Zeiten von Social Media müssen sich die Hersteller hier ordentlich etwas einfallen lassen. Doch wer macht das eigentlich? Du stellt Dir sicherlich eine nennenswert große Abteilung voller Spezialisten vor, oder? BMW informiert, dass es sich um ein kleines Team von vier Leuten handelt. Sie kümmern sich um die Tarnung.

Wann ist der Erlkönig auf den Straßen unterwegs?

Er ist immer unter uns. Wirklich- allerdings entpuppt er sich langsam wie eine Raupe zum Schmetterling. Es lässt sich immer mehr erkennen, wie das Modell wirklich aussehen wird. Warum das so ist? Die Antwort ist ernüchternd banal: TÜV. In Deutschland muss auch der Erlkönig zur TÜV Prüfung, um am Straßenverkehr teilnehmen zu dürfen.

Übrigens: Weil es sich noch um Fahrzeuge handelt, bei denen noch eine Menge Fehler auftreten können, dürfen auch nur extra geschulte Fahrer Erlkönige fahren. Sie kennen sich aus, was zu tun ist, wenn es zu Spannungsspitzen kommt, ein Brand entfacht oder sogar Bremsen blockieren.

Erlkönig in drei Facetten

Drei Stufen durchlebt ein jeder Erlkönig. Ganz zu Anfang ist der Wagen noch zusätzlich mit Hartschalen optisch verbaut. Niemand erkennt auch nur die Silhouette des KFZ´s. In einer zweiten Phase sind die Hartschalen weitestgehend abgebaut – außer an Design-kritischen Stellen wie den Lichtern, Heck und Front. Natürlich trägt das Auto in diesem zweiten Stadium unbedingt weiter seine farbliche Tarnung.

Warum ist ein zweites Stadium notwendig? Weil sich der Wagen je nach Design im Verkehr und bei hohen Geschwindigkeiten anderes verhält. Um also das tatsächliche Auto zu testen, muss die Hartschale ab.

Das letzte Stadium zeigt eigentlich schon den ganzen Stolz des Herstellers, mit einem Manko: Das Herstelleremblem selber ist noch nicht zu erkennen. Hier muss sich vielleicht der Verbraucher überlegen, ob dahinter nicht eventuell auch ein kleiner Marketingschachzug verbergen könnte.

Bildquelle:

  • erlkoenig: @Wikipedia.org
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