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Aufgedeckt: Darum sind Taxis immer beige

Mehrere Taxis in einer Reihe

Schon kleine Kinder wissen, wie ein Taxi aussieht. Die helle Farbe und das Taxischild sind eindeutige Kennzeichen. Doch warum sind Taxis immer beige?

Die Geschichte des Taxis

Die Menschen erkannten sehr früh, dass man durch den Transport von Gütern und Personen gut verdienen kann. Bereits im 17. Jahrhundert setzten sich in Paris und Berlin erste durch Muskelkraft betriebene Taxis durch. Die zur öffentlichen Nutzung bereitgestellten Sänften, auch “Portechaisen” genannt, waren die Vorläufer der Mietkutschen.

Pferdebespannte Taxis verbreiteten sich mit der Verbesserung der Straßen im Napoleonischen Zeitalter in ganz Europa. Mit der Entwicklung der ersten motorgetriebenen Fahrzeuge keimte in findigen Unternehmern schon bald die Idee, auf von Motorkraft betriebene Taxis umzusteigen. Um eine zuverlässige Fahrtkostenberechnung zu gewährleisten, galt es eine Technik zu entwickeln, die sowohl den Fuhrbetreibern als auch den Fahrgästen gerecht wurde. Dies war die Geburtsstunde eines noch heute gebräuchlichen Gerätes. Im Jahr 1892 wurde das Taxameter, dem das Taxi seinen Namen zu verdanken hat, offiziell eingeführt. Die erste Taxameter Droschke, ein Riemenwagen von Daimler, nahm im Mai 1897 in Stuttgart den Betrieb auf. Bis 1930 stieg die Zahl der mit Motorkraft betriebenen Taxis kontinuierlich an und erreichte mit ca. 27.000 Wagen einen neuen Höchststand. Die Pferdedroschken konnten sich nicht mit der starken Konkurrenz messen. Mit ihrer Fahrleistung und einer wesentlich höheren Geschwindigkeit deklassierten die Motortaxis ihre Mitstreiter. Immerhin konnte sich der letzte Pferdedroschken Unternehmer bis ins Jahr 1944 behaupten, bevor auch er aus Futtermangel den Betrieb einstellen musste.

Taxometer im inneren eines Taxis

Der exakte Farbton von Taxis

Taxis sind immer beige – das ist kein Zufall, sondern gesetzlich geregelt. Bis in die 70er Jahre hinein waren Taxen in Deutschland schwarz. Das sorgte bei jeder neuen Hitzewelle im Sommer für Diskussionen. Eine helle Farbe sollte es sein, so der Wunsch vieler Taxifahrer. 1975 war es dann soweit – der Gesetzgeber schrieb die einheitliche Farbe Hellelfenbein mit der offiziellen Bezeichnung Farbton RAL 1015 für Taxis vor. Seither gab es um diesen nicht gerade als besonders schön empfundenen Farbton reichliche Debatten. Auch über Sinn und Unsinn einer einheitlichen Farbgebung für Taxen wurde umfassend diskutiert.

Noch vor einigen Jahren mussten die Taxenunternehmer hinnehmen, dass sie ihre ausrangierten Fahrzeuge nur mit hohem Wertverlust verkaufen konnten. Gebrauchtwagen im wenig populären Hellelfenbein waren nur schwer verkäuflich. Die Situation wurde durch den Einsatz von Folien bereinigt, die seit Anfang der 90er Jahre eingesetzt werden. Die Fahrzeuge werden nicht mehr in Hellelfenbein lackiert, sondern einfach flächendeckend mit einer Folie im Farbton RAL 1015 beklebt. Eine segensreiche Erfindung, die den Taxiunternehmern half, viel Geld einzusparen.

Allein die Wiederbeschaffung eines neuen Fahrzeuges nahm in der Vergangenheit viel Zeit in Anspruch. Bei einem Unfall oder einem größeren technischen Schaden, der zur Neuanschaffung eines Fahrzeuges zwang, musste der Unternehmer ein neues Fahrzeug entsprechend umlackieren lassen oder lange Ausfallzeiten in Kauf nehmen. Nur für einen recht kurzen Zeitraum konnte er mit einer Sondergenehmigung den Fuhrbetrieb aufrechterhalten, indem er ein andersfarbiges Fahrzeug einsetzte. Heute sind die Bestimmungen deutlich aufgelockert. In Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg wurde die Verordnung über die Farbgebung in Hellelfenbein außer Kraft gesetzt. In anderen Bundesländern ist der Farbton RAL 1015 nach wie vor obligatorisch.

Zwei Taxischilder

Beiger Farbton nicht überall Pflicht

Der Bundesrat hat entscheiden, dass die Farbe für ein deutsches Taxi nach wie vor Hellelfenbein sein muss. Das klingt zunächst einmal wie ein nicht zu durchbrechender Grundsatz. Tatsächlich wurde aber die Entscheidungsgewalt an die Länder, bzw. sogar die einzelnen Landkreise abgetreten. Künftig obliegt es ihnen, in welchen Farben Taxis in ihrem Gebiet verkehren dürfen. Es wäre also rein theoretisch sogar möglich, dass uns demnächst ein pinkfarbenes Taxi begegnet. Zurzeit liegt der Trend aber nach wie vor beim Klassiker. Der Farbton RAL 1015 hat noch lange nicht ausgedient. Wie bereits erwähnt – im Großteil aller Bundesländer ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass Taxis eine bestimmte Farbe haben müssen. Nur in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Baden-Württemberg nicht.

Daran lassen sich Taxis noch erkennen

Die Taxiunternehmer selbst zeigen sich hinsichtlich neuer Farben nicht gerade sehr experimentierfreudig. Schließlich steht Hellelfenbein für einen sehr hohen Wiedererkennungswert. Und wer könnte sich zum Beispiel New York ohne seine berühmten Yellow Cabs vorstellen? Es gilt also, das Für und Wider sorgfältig abzuwägen. Müssen Taxis immer beige bleiben?

Neben dem Farbton RAL 1015 gibt es ja noch einige andere Erkennungsmerkmale für ein Taxi. Selbstverständlich zählt hier das uns allen vertraute Taxischild dazu. Ein hell leuchtendes Taxischild signalisiert, dass das Taxi frei ist. Ist das Taxischild dunkel, erfüllt das Taxi gerade einen Auftrag. Sollte das Taxischild blinken, sollte man sofort die Polizei verständigen. Es handelt sich um einen sogenannten stillen Alarm. Diesen kann der Taxifahrer auslösen, um andere darauf aufmerksam zu machen, dass er sich in einer bedrohlichen Situation befindet. Taxifahrer ist keinesfalls ein ungefährlicher Beruf. Jahr für Jahr kommt es zu Überfällen.

Waren früher Werbung und insbesondere Eigenwerbung auf den Fahrzeugen verboten, so ist auffällige Werbung heute ein weiteres Erkennungszeichen für ein Taxi. Schriftzüge in bunten Farben deuten darauf hin, dass es sich um ein Taxi handelt. Meist ist auch die Rufnummer, unter der man das Taxiunternehmen erreichen kann plakativ dargestellt. Eher schwer zu erkennende Hinweise, dass es sich hier um ein Taxi handelt, sind ein an der hinteren Scheibe des Fahrzeuges befestigtes gelbes Schild. Hier muss die sogenannte Ordnungsnummer angebracht sein. Im Fahrzeuginneren ist darüber hinaus ein Schild mit Name und Adresse des Taxiunternehmers vorgeschrieben.

Ein Taxi als Gebrauchtwagen kaufen

Taxiunternehmer nutzen ihre Fahrzeuge in der Regel nur wenige Jahre. Danach werden sie als Gebrauchtwagen verkauft. Warum sieht man auf unseren Straßen aber eigentlich so gut wie nie ein Fahrzeug in hellem Elfenbein, das kein Taxi ist? Die Antwort liegt auf der Hand – Taxis werden meist in schwarz gekauft und dann mit beiger Folierung beklebt. Wie bereits erwähnt – Hellelfenbein führt zu Wertverlust.

Geschmack unterliegt wie so vieles dem Wandel der Zeit. Ein beiges Fahrzeug wird heute als eher hässlich empfunden. Aus der Liste der angebotenen Farben beim Autohändler ist es völlig verschwunden. Ein weiterer Grund dafür, dass kaum jemand ein Auto in Hellelfenbein fahren möchte, ist die Tatsache, dass jeder diese Farbe mit einem Taxi in Verbindung bringt. Die meisten Menschen möchten nicht, dass man schon von Weitem sieht, dass es sich bei seinem Auto um einen Gebrauchtwagen handelt. Schon gar nicht, wenn es ein ehemaliges Taxi ist. Schließlich unterliegen Taxis einer wesentlich höheren Abnutzung als gewöhnliche Fahrzeuge. Ein Umstand, der sie als Gebrauchtwagen ohnehin nicht sehr beliebt macht. Für den Taxiunternehmer ist es eine sinnvolle wirtschaftliche Entscheidung, der Farbe Hellelfenbein den Rücken zu kehren. Sei es durch das Bekleben mit einer Folie oder durch eine andere Farbwahl, sofern dies von den Behörden genehmigt wird. Eine Folierung bringt übrigens einen weiteren kleinen Vorteil mit sich – sie schützt den Lack vor Kratzern. Nach der Ausmusterung des Fahrzeuges wird sie einfach wieder abgezogen.

Lese auch, welche Taxi-Alternativen es heutzutage gibt und ob diese ein guter Ersatz zu herkömmlichen Taxis sind.

Bildquelle:

  • Taxometer im inneren eines Taxis: ©Free-Photos - Pixabay.com
  • Zwei Taxischilder: ©MichaelGaida- Pixabay.com
  • Mehrere Taxis in einer Reihe: ©jo_pictures - Pixabay.com
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