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Automatisches Notrufsystem: eCall ab April 2018 in Neuwagen Pflicht

Notrufsystem eCall ab April 2018 Pflicht - Person im Auto hält ein Handy in der Hand

Ab dem 01. April 2018 ist bei Neuwagen der Einbau des automatischen Notrufsystems eCall Pflicht. Alle Fakten, die Du über den sogenannten “elektronischen Schutzengel” wissen musst, soll der folgende Artikel liefern.

Im Jahr 2017 starben bei Verkehrsunfällen allein in Deutschland 3.177 Menschen; in ganz Europa waren es 2016 sogar 25.500. Schwer verletzt wurden 135.000 weitere. Insbesondere in dünn besiedelten Gebieten sind die Folgen eines Verkehrsunfalls oft fatal. Ein Betroffener, der aufgrund von Verletzungen oder Bewusstlosigkeit nicht selbst einen Notruf absetzen kann, wird häufig erst dann gefunden, wenn es bereits zu spät ist.

Eine flächendeckende Einführung von eCall könnte nach Berechnungen von EU-Experten bewirken, dass die Reaktionszeit nach Verkehrsunfällen in ländlichen Gebieten um bis zu 50 Prozent und in städtischen Gebieten um bis zu 40 Prozent verringert werden kann. Hauptziel des automatischen Notrufsystems ist also eine Verbesserung der Effizienz von Rettungsdiensten. Durch diese positive Entwicklung soll die Zahl der Verkehrstoten europaweit um jährlich etwa 2.500 verringert werden. Darüber hinaus wird das Ziel verfolgt, die Schwere von Unfallfolgen um bis zu 15 Prozent zu reduzieren.

Die Funktionsweise des automatischen Notrufsystems eCall

Das automatische Notrufsystem eCall funktioniert europaweit. Kommt es zu einem Unfall, nutzt das System sowohl Mobilfunk als auch Satellitenortung, um eine Telefonverbindung zur nächsten Rettungsleitstelle herzustellen. Neben dieser Sprachverbindung liefert eCall simultan einen Datensatz mit allen für die Rettungskräfte relevanten Informationen zum Unfallort, zur Schwere des Unfalls, zum Auslöser, zu den Insassen und zum Fahrzeug. Durch den selbstständig abgesetzten Notruf, welcher sich auch manuell auslösen lässt, können nach einem Unfall wertvolle Minuten gespart werden. Im Zweifelsfall sind es genau diese Minuten, die über Leben und Tod des Unfallopfers entscheiden.

Um sowohl die automatische, als auch die manuelle Auslösung eines Notrufs zu gewährleisten, sind in den betroffenen Fahrzeugen sogenannte Crash-Sensoren verbaut. Das System löst den Notruf erst nach einem Feedback der Sensoren oder einer manuellen Betätigung aus. Die Crash-Sensoren speichern beispielsweise Daten über das Auslösen des Airbags. Dadurch lassen sich Rückschlüsse auf die Art und die Schwere des Unfalls ziehen und die Rettungskräfte können sich besser darauf vorbereiten, was sie vor Ort erwartet.

Neben den Crash-Sensoren, müssen die Fahrzeuge noch über weitere Ausstattungsmerkmale verfügen. Zu nennen sind hier besonders der GPS-Empfänger zur genauen Positionsbestimmung, ein Steuergerät zur Standortmeldung und die Mobilfunkantenne, welche zur Absetzung des Notrufs essentiell ist. Nötig sind auch eine Freisprechanlage, ein Notakku, eine Notruftaste, und die eCall-Steuerung, die die benötigten Daten sammelt und die Mobilfunkverbindung zur Notrufzentrale aufbaut.

Polizeiauto mit Blaulicht

Datenübermittlung und Datenschutz beim eCall Notrufsystem

Fraglich ist, welche Daten durch das automatische Notrufsystem übermittelt werden und wie diese Übermittlung datenschutzrechtlich zu bewerten ist. Ursprünglich sollte eCall bereits im Jahre 2015 im gesamten Gebiet der Europäischen Union eingeführt werden, aber aufgrund einer öffentlich ausgetragenen Datenschutz-Debatte, mussten diese Pläne verschoben werden. Um objektiv zu beurteilen, wie es um den Datenschutz bestellt ist, solltest Du zunächst wissen, welche Daten überhaupt übermittelt werden.

Um die Rettungskräfte ideal zu unterstützen, müssen sie einerseits über die Lage des Unfallorts informiert und andererseits optimal auf die Gegebenheiten, welche sie am Unfallort erwarten, vorbereitet werden. Damit diese beiden Voraussetzungen bestmöglich gewährleistet sind, übermittelt das automatische Notrufsystem die Fahrzeugposition, die Steuerungsdaten, den Zeitpunkt des Unfalls, die Fahrtrichtung, die Fahrzeug-Identifizierungsnummer, die Art des Antriebs und die Anzahl der Insassen.

Datenschützer warnen davor, dass diese Daten möglicherweise auch von anderen Einrichtungen als nur den Rettungsdiensten genutzt werden könnten. Per Gesetz ist zwar geregelt, dass es sich um sogenannte zweckgebundene Daten handelt, das heißt, sie dürfen ausschließlich von der Leitstelle, der Feuerwehr und der Polizei ausgewertet werden. Allerdings bietet die entstehende Schnittstelle zwischen Auto und Internet auch Möglichkeiten für eine zweckfremde Nutzung. Vor allem Versicherer und Automobilhersteller dürften großes Interesse an den erhobenen Daten haben. Es besteht die Gefahr, dass die vorhandene Technik kommerziell ausgeschlachtet werden könnte, beispielsweise indem Werbung angezeigt wird. Das Auto könnte eine enorme Datenmenge speichern – der Autofahrer immer transparenter und letztlich “gläsern” werden.

Innenraum eines BMW

Ist eine Nachrüstung möglich?

Die Gesetzgebung bezüglich des automatischen Notrufsystems bezieht sich ausschließlich auf Neuwagen, eine Pflicht einen Gebrauchtwagen mit eCall nachzurüsten besteht folglich nicht. Ein mit eCall vergleichbares, fest verbautes Nachrüstsystem existiert momentan noch nicht. Es gibt allerdings eine Auswahl an anderen Optionen. Meist liegt diesen Systemen ein Gerät zu Grunde, welches via Bluetooth mit dem Mobiltelefon des Autofahrers verbunden ist. Besonders zu nennen ist hier der Unfall-Melde-Dienst (UMD), der durch einige deutsche Versicherer angeboten wird und im Falle eines Unfalls einen automatischen Notruf an eine Telefonzentrale der Versicherer absetzt.

Kann eCall deaktiviert werden?

Das eCall System ist technisch in der Regel tief im Infotainment-System des Fahrzeugs verankert. Es ist daher nahezu unmöglich das System zu deaktivieren. Da das Vorhandensein des automatischen Notrufsystems ab April 2018 gesetzlich vorgeschrieben ist, wird es automatisch Bestandteil der Typzulassungsprüfung eines neuen Fahrzeugmodells. Durch eine Entfernung eines solchen Bestandteiles verliert ein Fahrzeug die Betriebserlaubnis. Damit wird die Teilnahme am Straßenverkehr unzulässig und bei einem möglichen Unfall droht der Entzug des Versicherungsschutzes.

Bildquelle:

  • Polizeiauto mit Blaulicht: ©Pixabay
  • Innenraum eines BMW: ©Ingo Joseph - Pexels.com
  • Notrufsystem eCall ab April 2018 Pflicht – Person im Auto hält ein Handy in der Hand: ©Pexels - Pixabay.com
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